Johannisches Sozialwerk e.V.

Projekt Gesunder Park

Umweltpreis für Initiative „Gesunder Park im St.-Michaels-Heim“

„Berlin braucht solche Orte!“

Mit dem Naturschutzpreis 2017 der Stiftung Naturschutz Berlin in der Kategorie „Institutionen/Unternehmen“ ist die Initiative „Gesunder Park im St.-Michaels-Heim“ für ihr Engagement zur Erhaltung der Artenvielfalt ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung hat am Dienstag, dem 17. Oktober, in einem Kinosaal in der Kulturbrauerei im Stadtbezirk Prenzlauer Berg in Anwesenheit von Berlins Staatssekretär für Umwelt, Stefan Tidow, stattgefunden. Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben und würdigt außerordentliche Leistungen von Unternehmen und Personen, die sich für die urbane Artenvielfalt einsetzen und sich in besonderem Maße um den Schutz von Flora und Fauna der Hauptstadt verdient gemacht haben.
Neben der Initiative im St.-Michaels-Heim wurde die Berlinerin Anne Lobe mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet für ihren Einsatz um den Erhalt einer Weidelandschaft auf dem Gelände einer ehemaligen US-Kaserne im Ortsteil Lichterfelde Süd. Der scheidende Vorsitzende des Stiftungsrats der Stiftung Naturschutz Berlin, Oliver Schwork, begründete die Preisverleihung an die zwei Preisträger wie folgt:
„Weltweit werden die Listen der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten immer länger. Auch in Deutschland ist es bislang nicht gelungen, diese Entwicklung zu stoppen oder gar umzukehren. Unsere Preisträger dieses Jahres haben es sich zur Aufgabe gemacht, diesem Trend etwas entgegen zusetzen. Sie haben über viele Jahre und gegen alle Widerstände Lebensräume geschaffen, die zahlreichen Arten eine Heimat bieten.“
In Bezug auf die Initiative aus dem St.-Michaels-Heim hob die Umweltstiftung hervor: „Das Unternehmen [ist] Vorbild in Sachen Natur- und Umweltschutz. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, welchen wertvollen Beitrag die Unternehmen und Institutionen dieser Stadt zum Erhalt der Biodiversität leisten können.“
Die Initiative „Gesunder Park im St.-Michaels-Heim“ wurde vor zehn Jahren, am 1. August 2007, ins Leben gerufen. Ausgangssituation war, dass sich die ökologischen Verhältnisse des SMH-Parks mitten im Zentrum von Berlin immer weiter verschlechterten, so dass viele Bäume immer mehr Totholz ausbildeten und sogar starben und gefällt werden mussten.
In Zusammenarbeit mit der Johannischen Kirche und ihres Sozialwerks hat das Team um Stephan Lehmann und Alexandra Suchan, das sich aus ganz unterschiedlichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammensetzt, gemeinsam mit Kooperationspartnern in den vergangenen zehn Jahren viel geschafft: Die Bodenqualität des Parks hat sich spürbar verbessert, die Bäume gesundeten, die Artenvielfalt ist gestiegen und die Wasserqualität des Herthasees hat sich deutlich verbessert.
Der Initiative aus dem St.-Michaels-Heim geht es aber nicht nur um die Förderung der Bodenfruchtbarkeit durch Herstellung und Anwendung von heißfermentiertem Kompost oder die Förderung der Artenvielfalt durch Schaffung, Gestaltung und Vernetzung von Lebensräumen. Da Veränderungswille im Kopf – und im Herzen – anfängt, ist auch die Förderung von Umweltbildung eine wichtige Aufgabe. Groß und Klein, Jung und Alt sollen lernen, die Schöpfung zu lieben, sie zu verstehen und sie nutzbringend anzuwenden.
Dies alles erforderte bei vielen Beteiligten, nicht zuletzt bei den Nutzern des Parks, ein Umdenken, was einige Überzeugungsarbeit brauchte. Umso größer ist nun bei allen die Freude über diesen besonderen Umweltpreis, durch den das Engagement und dessen Erfolg gewürdigt werden.
Auf die Frage vom Moderator, ob es etwas gibt, das Stephan Lehmann mitteilen möchte oder wo er Unterstützung sucht, antwortete er: „Von Sir Albert Howard [ein britischer Pionier der ökologischen Landwirtschaft, der 1947 verstarb; die Red.] habe ich gelernt, dass gesunde Flächen eine Voraussetzung sind für Gesundheit. Wenn wir also gesunde Kinder wollen, müssen wir uns darum bemühen, dass unser Land gesund wird. Und wir haben im Park des St.-Michaels-Heimes bewiesen, das es geht.“
In seiner Laudatio sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, unter anderem: Vielfalt schafft Schönheit. Der Park rund um den Herthasee lässt die Stadtmenschen aufatmen. „Berlin braucht solche Orte!“ Lobend hob der Öko-Landwirt und Autor hervor, „wie es der Initiative gelingt, junge Menschen zu motivieren, sich an der Heilung dieses Stücks Natur in Berlin zu beteiligen“. Dadurch wächst gerade bei ihnen das Bewusstsein, „dass wir Teil eines ökologischen Systems sind und unsere Existenz von diesem abhängt“. Wichtig sei auch, dass die hinter der Initiative stehende Kirchengemeinschaft deutlich mache, dass das Bibelwort, sich die Erde untertan zu machen, nicht deren Unterwerfung bedeute, sondern auffordere, „Gerechtigkeit zu üben und Verantwortung zu übernehmen“.
„Das Projekt ,Gesunder Park‘ nimmt diese Verantwortung auf und setzt sie in höchst praktisches, konkretes Handeln um und schafft damit ebenso Gesundung eines Stückchens Natur wie Bewusstseinsbildung in den Köpfen von Menschen. Und das ist allemal einen Preis wert.“

Text: Rainer Gerhardt, Foto:Wolfgang Pohl

 

Aktuelles und Veranstaltungen

Flyer zum downloaden und ausdrucken